Corona 3.0

Ja, wir hatten uns damit beschäftigt das Wochenendhäuschen meiner Tochter Kati und ihres Mannes Toralf zu renovieren. Es mußte sogar das Dach aufgenommen werden, weil ein Marder es sich in der Zwischendecke bequem gemacht hatte. Das Haus steht übrigens am Tiefen Ziest, einem super Angelgewässer. Nach 14 Tagen Schinderei dachte ich mir, wir sollten zur Entspannung zu Matze fahren und es uns gut gehen lassen. Gesagt und getan, um 8 Uhr fuhr mein Auto, nachdem Toralf zugestiegen war, Richtung Angelsee. Ich habe schon mit Toralf geangelt, in Dänemark, auf Dorsch und Plattfisch, er kennt also die Grundlagen des Angelns und es macht Ihm viel Spaß. Das Gespräch im Auto drehte sich um mögliche Angelmethoden und den damit verbundenen Angelerfolg. Toralf lauschte meinen Ausführungen mit der Ihm eigenen Skepsis. Ankunft, ein kleines Palaver mit den anwesenden Anglern bei einem Käffchen und dann Aufbau der beiden leichten Browning-Karpfenruten. Ich hatte gestern noch schnell ein paar Miniweißfische gestippt um vielleicht einen morgendlichen Aal oder Zander zu fangen. Also im ersten Gang beide Ruten mit leichter Posenmontage und Köderfisch dicht am Ufer ausgelegt und auf unseren Stühlen Platz genommen. Toralf ist beim Angeln, genau wie ich, nicht der Gesprächigste. Wir genießen die Natur und die Ruhe um uns herum und lassen sie auf uns wirken, es ist sehr beruhigend und schön. Schön war es auch das die Pose an seiner Rute unter Wasser gezerrt wurde und die Schnur von der Rolle lief. Etwas untrainiert setzte Toralf einen leichten Anhieb und die Biegung der Angelrute bestätigte den Erfolg. Mit der Ruhe eines erfolgsgewohnten Fischers führte er nach ein paar Fluchten den Fisch über den von mir gehaltenen Kescher und landete einen guten Wels. Es war kein Riesenfisch, aber ein schöner Erfolg nach 30 Minuten. Petri !

Nach einer weiteren Stunde ohne Biß, änderte ich die Taktik, wechselte die Haken und zog Maiskette auf. Ich hatte vor uns Bewegung im Wasser gesehen, Blasen und ein großer Wasserschwall verrieten die Anwesenheit großer Fische. Wir legten die Ruten wieder aus und ich versprach spassendshalber: „jetzt angeln wir einen richtigen Fisch“. Leicht ungläubig lächelte Toralf zurück und machte es sich wieder im Angelsessel bequem. Während eines belanglosen Gespräches kontrollierte ich eine der Ruten und sah im Augenwinkel die Pose der anderen Rute langsam in Richtung Seemitte fahren. Ich bat Toralf doch bitte mal einen Anhieb zu setzen, was Er auch erwartungslos tat. Was nun folgte war eine legendäre Aktion, die man vielleicht nur einmal im Leben erlebt. Nach dem Anschlag verformte sich die Rute in einen Halbkreis und die Rolle schrie kreischend auf, die Schnur wurde von der Angelrolle gerissen, der Fisch war wohl der prophezeite“Richtige“ ! Toralf sah mich ein wenig hilflos an und das erst recht als Ihm der Rollenfuß abbrach! Ich übernahm schnell mein zerlegtes Gerät, die Rolle in der linken und die Rute in der rechten Hand. Fragt mich nichtnach dieser Aktion, es war der Wahnsinn, ab und zu gelang es mir den abgebrochenen Stumpf des Rollenfußes mit der rechten Hand, in der ich auch die Rute hielt, zu greifen und etwas Schnur auf zu spulen. Allerdings wurde die Schnur sofort wieder vom Fisch von der Rolle gezerrt. Natürlich blieb es allen Anderen nicht verborgen was bei uns abging und wir hatten Zuschauer, zum Glück auch Matze , der sofort sah das mein Kescher für diesen Fisch viel zu klein war. Er holte einen deutlich größeren und wartete die Sache ab. Nach etlichen Minuten und Stresschweiß auf meiner Stirn, gelang uns die Landung. Ein riesiger Karpfen(übrigens einer meiner größten) lag vor uns. Hurra, wir hatten mal eben 40 Pfund Fisch gefangen, die uns nach dem Fototermin aus den Fingern rutschte und ins Wasser…..! Mein Gott war das ein Erlebnis…..und alle Anwesenden teilten diese Meinung!

Die defekte Rute wanderte ins Futteral und eine neue Gerte wurde montiert, die war auch wirklich neu und hatte noch nie einen Fisch gefangen, bis jetzt….. Die nächste Stunde passierte natürlich nichts, ausser dem auswertenden Gespräch über das abgelaufene Ereignis. Toralf war begeistert, vor allem über meine Ankündigung des“richtigen“Fisches. Wir zogen es in Betracht so langsam zum Ende zu kommen, bei Matze noch etwas zu essen und den Ausflug so schön ausklingen zu lassen. Doch an der Premierenangel legte sich die Pose flach und fuhr parallel zum Ufer spazieren. Im Gedanken an einen fetten Brassen schlug ich an und war über die Gegenwehr überrascht. Geradewegs Richtung gegenüberliegendes Ufer ging die Post ab, und das nach zwischenzeitlichem Schnurgewinn mehrmals. Nach einem spannenden Drill hatte die neue Rute ihren ersten Fisch gefangen, einen über 20 Pfund schweren Amurkarpfen. Na dann mal, Petri Heil!

WAS FÜR EIN ANGELTAG ? Aber jetzt war es genug der Abenteuer, wir räumten unseren Krempel zusammen, gingen noch etwas essen und fuhren Richtung Güstrow, entspannt, glücklich und zufrieden. Ich hoffe das Toralf nicht jedesmal jetzt solch eine Action erwartet und das es so gut funktioniert, aber ich denke das Er das auch weiß. So ist eben Angeln !

PETRI

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