Nach Süden, nach Süden…….

Ok, nicht im Sinne dieses alten Rockklassikers von Lift aber Ungarn ist ja auch etwas südlich. Ich war in den siebzigern schon mal dort aber damals interessierten uns hauptsächlich andere Vergnügungen als Angeln. Ich war damals mit meinem guten Kumpel Volker dort und wir waren auf Jagd, nach allen Arten von Spaß. Wir hatten nie Geld aber es reichte für Konzertabende auf dem Gellertberg oder „harmlose Besuche“in irgendwelchen Studentenbuden. Aber lassen wir diese (schöne) Nostalgie. Vor etwa 12 Jahren beschlossen wir mal wieder an den Balaton zu fahren. Wir, das sind meine liebe Frau Marlies und ich. Wir fuhren anschliessend 6 Jahre hintereinander nach Ungarn, weil uns das Land und die Menschen sehr gefallen. Ein Freund von mir war im Besitz eines relativ großen Hauses in den Weinbergen am Nordufer des Balatons, allein der Blick vom Balkon war richtig toll.

Jeder Tag begann mit diesem Ausblick beim Frühstück auf Balkon oder Terasse, Sonnenschein und super Temperaturen waren Programm. Es ist relativ preiswert dort Urlaub zu machen, Obst, Gemüse in Mengen, ein Dreigangmittagessen und Getränk für 2 Personen für 10 Euro war nicht unnormal. Aber wie gesagt, es war einfach nur schön dort! Am ersten Abend am Balaton überhaupt, gingen wir in den Nahe gelegenen Ort Györök Eis essen und ich bekam die ersten anglerischen Eindrücke. Eine ca 100 Meter lange Steinmole, als Anleger für die Ausflugsdampfer, zog sich in den See und wir trabten Eis essend dieses Bauwerk entlang. Was sofort auffiel, zwischen den Steinschüttungen gab es tausende kleiner Fische die wohl dort laichten (wie sich herausstellte, tun sie das den halben Sommer dort), es klatschte das es eine Freude war. Alle Raubfische des Gewässers fraßen sich wohl hier satt. Natürlich waren auch Angler zugegen. Einheimische die mit der Futterkorbmontage recht erfolgreich Friedfischen nachstellten, hauptsächlich Brassen, Güstern und kleinere Karpfen.

Ja, ich muste mir eine Angelkarte holen, die gibt es dort in jedem Angelladen. Man sollte dort auch nicht ohne Karte angeln, es wird teuer und das Geld ist größtenteils für den Besatz. Wenn man sehr clever ist und auf Aal angeln will, sollte man sich viel Tauwurm mitnehmen. Dort gibt es keine, so ist es „der“ Köder. Übrigens Aal, die Ungarn fischen kaum darauf, warum auch immer. Vielleicht ist es ja ein „böser“ Fisch und die streng katholischen Ungarn wollen es sich nicht mit Ihrem Schöpfer verscherzen. Aber Deutsche und Österreicher angeln viel auf Aal, entweder mit Tauwurm oder aber mit diesen kleinen Fischen, die es an der Mole in Unmengen gibt. Eine Senke oder ein feinmaschiger Unterfangkescher reichen um in 5 Minuten genügend Köderfische zu fangen. Ein Unterfangkescher ist dort sowieso Pflicht, ich fing in den 6 Jahren dort sicher ca 50 Aale, aber selten einen unter 500 Gramm. Der Schnitt ist erheblich höher. Es ist ein Supergaudi dort auf Aal zu angeln. Die Bisse an der Posenmontage sind eine Pracht. Die Aale laufen so schnell und weit, man mag gar nicht anschlagen. Brauch man auch nicht, Bügel zu und einen Moment warten und die Rute ist krumm wie ein Fidelbogen! Hindernisse gibt es kaum, leichtes Angeln ist deshalb möglich, vorausgesetzt man hat ein Landegerät zur Hand.

Auch der Beifang kann sich sehen lassen. Zander ist der Häufigste, sie sind nicht sehr groß, aber relativ häufig. Auch Zwergwels fing ich oft, bitte sehr vorsichtig damit, sie stechen mit den Brustflossen und das tut 2 Wochen weh, ich weiß es ganz genau! Beim Tauwurm kommen auch große Friedfische dazu, normale eupäische Welse werden hauptsächlich von Bootsanglern in etwas grösseren Tiefen gefangen und auch in anständiger Größe ( 1,80 m und plus). Am Tage angeln die Kids viel auf Sonnenbarsch in den Bootshäfen, er kommt dort recht häufig vor. Auch wer Spaß am Rapfenangeln hat ist dort am Morgen und Abend erfolgreich. Recht einfach sind auch große Amurkarpfen zu fangen, ich selbst hatte keine Lust Unmengen Futter zu verklappen aber habe einige Sportfreunde gesehen die Fische deutlich jenseits der 40 Pfundmarke gefangen haben. Übrigens gibt es im Balaton sehr viele Schlangen, sie sind meist sehr hübsch, bunt und völlig ungefährlich. Die Kinder spielen mit Ihnen beim Baden. Zum Schluss noch ein paar Tips für Leute die es zufällig mal ans Nord- oder Westufer des Sees verschlägt. Es gibt ein paar Orte die nicht sooooo bekannt sind. Aber meiner Meinung nach einen Abstecher verdienen: die Höhlen von Tapolca, wo man mit mit Aluminiumbooten unter der Erde einem Flußlauf folgt, ist aber nichts für Leute mit Klaustrophobie! Im Ort befindet sich auch eine alte Wassermühle mit Flusslauf (mit sehr viel Fisch, auch Forellen), Angeln aber verboten. Dort befindet sich auch ein alter Mühlteich mit riesigen Koikarpfen, die kann man sehr schön von einem der 3 Cafes beobachten. Oder Heviz mit seinen Thermalbädern, wo man durch Felder von Lotusblüten schwimmen kann. Die Burgen von Sümeg und Kesztely sind auch hübsch an zu schauen. Vor allem aber Zigeuner- und Wochenmärkte sind ein Muß! Genug geschwärmt, wer es erleben möchte muß hin fahren. Wir waren begeistert und überlegen nächstes Jahr doch mal wieder dort ein wenig Urlaub zu machen!

PETRI….

 

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